Parodontologie

FAQ

Eine Parodontitis, auch bekannt als Parodontose, ist eine entzündliche Zahnbetterkrankung, welche unbehandelt zu Zahnausfall führt. Die primäre Ursache einer Parodontitis ist die bakterielle Plaque (Zahnbelag). Andere Risikofaktoren wie Rauchen, Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes spielen in manchen Fällen von Parodontits eine zusätzliche Rolle.
Einer Parodontitis beugen Sie am besten vor, indem Sie Zähne und den Zahnfleischsaum regelmässig reinigen und von der bakteriellen Plaque befreien. Sie sollten mit einer mittleren bis weichen Handzahnbürste morgens und abends mit rotierenden Bewegungen Ihre Zähne putzen. Oder Sie benutzen eine elektrische Ultraschallzahnbürste. Ebenso dazu gehört die regelmäßige Anwendung von Zahnseide oder speziellen Bürstchen um auch die Zahnzwischenräume adäquat zu säubern. Zusätzlich zu Ihren eigenen häuslichen Bemühungen sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und regelmässig Zahnreinigungen bei Ihrem Zahnarzt oder einem Parodontologen durchführen lassen. Individuell auf Sie abgestimmter Zeitplan (viertel- oder halbjährlich) wird die Gesunderhaltung Ihrer Zähne ermöglichen.
Ja, und dies ist vergleichenden Studien ganz eindeutig gezeigt worden. Patienten ohne Recallprogramm (professionelle Zahnreinigung) verlieren deutlich mehr Zähne als Patienten, die regelmässige Prophylaxebehandlungen durchführen lassen (Becker, 1984, Journal of Periodontology) Dies ist besonders wichtig für Patienten, die bereits an einer Parodontitis erkrankt sind. Die Parodontitis als chronische Erkrankung sollte unter ständiger Kontrolle eines Zahnarztes sein, ähnlich anderer chronischer Erkrankungen wie Rheuma und Diabetes.
Eine unbehandelte Parodontitis wird über kurz oder lang zum Zahnausfall führen. Die Erklärung hierfür gibt uns die Krankheitsentstehung (Pathogenese): Die Besiedlung der Zähne mit Bakterien (aus dem Zahnbelag sind bis zu 600 verschiedene Formen isoliert worden) ruft im Körper eine Immunreaktion hervor. Diese Körperantwort dient zur Abwehr gegen die Bakterien und ist grundsätzlich gesehen etwas positives. Allerdings werden bei der Immunantwort Botenstoffe (Cytokine) freigesetzt, welche ursächlich an der Zerstörung des Zahnhalteapparates beteiligt sind. Das setzt eine Kettenreaktion in Gang, welche ununterbrochen zum Zahnausfall führt.
vorher (1996) später (1999)
Mit der parodontologischen Behandlung wird versucht diese Kettenreaktion (bakterielle Plaque -› Immunreaktion -› Zerstörung des Zahnhalteapparates -› Zahnausfall) zu unterbrechen. Mit speziellen Instrumenten (Küretten) wird die Zahnwurzel vom Zahnbelag befreit. Die Kürette erreicht dabei all die Oberflächen, die von der Zahnbürste nicht mehr erfasst werden und entfernt ebenso hartnäckigen Zahnstein und Konkremente.
Das Zahnfleisch umfasst die Zähne girlandenartig. Dieser physiologische Zahnfleischsaum ist in gesundem Zustand 2-3 mm tief. Bei der Entstehung der Parodontitis vertieft sich dieser Saum und die Reinigung der Zahnwurzeloberfläche wird selbst für die Küretten immer unzugänglicher. In solchen Fällen ist eine chirurgische Intervention indiziert. Das Zahnfleisch wird dabei zur Seite geschoben und die Wurzeloberflächen werden unter direkter Sicht gesäubert. Ebenso ist es heute möglich mit speziellen Verfahren teilweise verlorengegangen Knochen zu regenerieren und Zähne wieder zu festigen.
Eine Parodontalbehandlung wird grundsätzlich unter Lokalanaesthesie durchgeführt und ist daher völlig schmerzfrei. Nach operativen Eingriffen treten in manchen Fällen für 1-3 Tage leichte Beschwerden auf, welche durch Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen) gut kontrollierbar sind.
Ein Arbeitsausfall ist in der Regel nicht zu erwarten. Es hat sich bewährt, chirurgische Eingriffe am Morgen durchführen zu lassen um sich idealerweise die restliche Zeit des Tages auszuruhen und das Operationsfeld von aussen zu kühlen. Dadurch wird Schwellungen vorgebeugt und Folgebeschwerden oftmals ganz vermieden.
Massnahmen zur Zahnerhaltung, und dazu gehört die Parodontalbehandlung, werden in Deutschland von den Versicherungen unterstützt. Je nach Therapie können allerdings Zusatzkosten anfallen, welche im einzelnen erläutert werden müssen. Hochspezialisierte, mikrochirurgische Techniken beim Regenerationsverfahren oder der Wurzeldeckung bedeuten einen Mehraufwand, der der Regel nicht von der Sozialgemeinschaft getragen wird. In jedem Fall ist die Erhaltung Ihrer eigenen Zähne kostengünstiger und ganz einfach besser als teuerer Zahnersatz.
Das Parodontitis eine Erkrankung ist, die ausschliesslich Auswirkungen im Mundbereich zeigt, wird mehr und mehr in Frage gestellt. Es ist seit langem bekannt, dass Erkrankungen wie Diabetes, Leukaemie, AIDS und die Einnahme bestimmter Medikamente einen Einfluss auf den Verlauf der Parodontitis haben. Im Umkehrschluss stellt sich die Frage, welchen Einfluss Parodontitiden auf den Verlauf von systemtischen Erkrankungen haben. Neueste Studien in den USA zeigen, dass Patienten mit unbehandelten Parodontitiden ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte haben. Ebenso wurde gezeigt, dass die glykaemische Kontrolle bei Diabetespatienten beim Vorliegen einer Parodontitis erschwert ist. Wenn Sie unter Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes leiden, sollten Sie besonderen Wert auf Ihre Mundgesundheit legen, um möglichen negativen Wechselwirkungen vorzubeugen. Sprechen Sie Ihren Kardiologen, Zahnarzt und Parodontologen direkt darauf an. (Humphrey,t Med, 2008)
Das Rauchen Lunge und Herz schadet ist allgemeinhin bekannt. Ebenso haben die (bis zu 200 verschiedenen) Wirkstoffe der Zigarette einen Einfluss auf den Verlauf und die Behandlung der Parodontitis. Beispielsweise reduziert das Nikotin die Durchblutung und legt die Tätigkeit von Abwehrzellen wie weissen Blutkörperchen lahm. Die körpereigene Abwehr gegen Bakterien ist dadurch reduziert. Es gibt heute viele Methoden und Medikamente, die bei der Raucherentwöhnung helfen können. Sprechen Sie Ihren Arzt, Zahnarzt oder Parodontologen darauf an. Nicht nur Ihrer Zahngesundheit zu Liebe. (Preshaw, JCP, 2005)
Isolierter Zahnfleischrückgang an der Aussenseite des Zahnes (zur Wange gerichtet) wird als Rezession bezeichnet. Die Hauptursache von Rezessionen sind der falsche Gebrauch harter Zahnbürsten (horizontales „Schrubben“) bei genetisch bedingter Disposition. Freiliegende Zahnhälse sind häufig heiss- und/oder kaltempfindlich. Die Wurzel ist ohne schützende Schmelzhülle kariesanfällig. Rezessionen können ausserdem ein kosmetisches Problem darstellen. Aus diesen Gründen ist die Korrektur einer Rezession ratsam und sinnvoll, um den Zahn langfristig gesund zu erhalten. (Zucchelli, JP, 2005)
Wenn Sie meinen, dass die Attraktivität Ihres Lächelns durch zu kurze Zähne mit zu viel sichtbarem Zahnfleisch oder aber durch zu lange Zähne und ungleiche Zahnfleischränder beeintraechtigt ist, dann könnte eine simple kosmetische Massnahme genau das Richtige für Sie sein. Die genaue Evaluierung Ihrer Lachlinie ist Grundlage für die Auswahl der jeweiligen Therapie, welche Ihnen zu dem Lachen verhelfen kann, welches Sie sich schon immer gewünscht haben. Siehe hierzu auch weiter unter Ästhetik.
 

AKTUELLES

Neuer Fortbildungsbeitrag in der DFZ 2017
» Die schwere chronische Parodontitis
Zwei Falldarstellungen mit unterschiedlichen Therapiekonzepten

Mehr dazu auch auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie am Freitag, den 22.9.17 in Dresden.
Dr. med. dent. Margret Bäumer, M.S.D. (USA)
Bismarckstrasse 12 | 50672 Köln
Fon 0221.80 11 930 | info@drbaeumer.de