Implantologie

FAQ

Der Begriff Implantat kommt aus dem lateinischen, implanto = einpflanzen. Im zahnmedizinischen Bereich ist ein Implantat heute in der Regel ein Titaniumkörper, der in den Kieferknochen eingebracht als künstliche Wurzel für eine Krone oder eine Brücke dient. Ein Implantat ermöglicht so festsitzenden Zahnersatz in Bereichen, wo Zähne verloren gegangen sind, ohne Nachbarzähne zur Verankerung hinzuzuziehen.
Mit Implantaten verschiedenster Materialien und Typen wird auf wissenschaftlicher Ebene bereits seit langem experimentiert. Das Titaniumschraubenimplantat, welches als gold standard im Bereich der dentalen Implantologie gilt, wurde dann den 70er Jahren von Prof. Branemark aus Schweden eingeführt. Zahlreiche Hersteller sind heute auf dem Markt, die Schrauben- und Zylinderimplantate gleicher Qualität herstellen und den Erfolg durch Langzeitstudien wissenschaftlich belegen können. Zeiten von Evidence-based Dentistry ist dies sicher ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Implantates.
Seit ca. 10 Jahren sind nun auch Keramikimplantate aus Zirkonoxid auf dem Markt. Diese metallfreien Implantate können heute als sicher eingestuft werden, wenn auch die Langzeitergebnisse wie bei den Titanimplantaten noch nicht vorliegen.
Beim Verlust eines Zahnes im Frontbereich liegt die Antwort auf der Hand; aus ästhetischen Gründen. Aber auch im nicht-sichtbaren Seitenzahnbereich sollten die Zähne aus funktionellen Gründen ersetzt werden.

Unsere Zähne sind so auf Ober- und Unterkiefer angeordnet, dass durch eine gegenseitige Abstützung jeder einzelne Zahn in seiner Position gehalten wird. Wenn dieses System durch Zahnausfall gestört ist, kippen angrenzende Zähne in die Zahnlücke. Beim Verlust aller Backenzähne einer Seite ist die Abstützung nicht gewährleistet und der gesamte Biß sinkt ab (siehe unten).

Es kommt beim Kieferschluss zu ungleichmässigen Zahnkontakten (Okklusionsstörungen), welche Zähne, den Zahnhalteapparat und auch das Kiefergelenk belasten. Um Kippungen von Zähnen nach Zahnverlust vorzubeugen, sollte eine Zahnlücke durch eine Brücke, eine Prothese oder aber ein Implantat versorgt werden. Welche dieser Möglichkeiten in Ihrem speziellen Fall indiziert ist, können Sie nach eingehender Untersuchung bei Ihrem Zahnarzt und dem Implantologen erfahren. (Davarpanah, IJOMI, 2002; Sadowsky, JPD, 2007; Lambert, Weber, JP, 2009)
In vielen kontrollierten Langzeitstudien, welche Patienten nach Implantation über 10-20 Jahre beobachten, wurden Überlebens- bzw Erfolgsraten der Implantate von über 95% angegeben. Die nun 40-jährige Erfahrung mit Implantaten zeigt, dass ein Implantat nach erfolgreicher Einheilung im Regelfall stabil bleibt. Voraussetzungen hierfür sind gute Knochenverhältnisse, präzise Operationstechnik und die regelmässige Pflege des Implantates.
Die Materialien Titanium und Zirkonoxid, welche der Medizin seit langem bei Hüftoperationen und anderem benutzt wird, sind biologisch inert (Lat. reaktionsträge). Das bedeutet, dass ein Imlantat nicht vom Körper als fremd erkannt und damit abgestoßen wird. Dennoch kommt es bei circa 5%-10% aller Implantate nicht zur stabilen Einheilung oder es tritt nach Jahren eine Lockerung auf. Die Gründe hierfür sind vielzählig und noch nicht vollkommen geklärt. Sicher ist aber, dass der dauerhafte Erfolg eines Implantates von der Operationstechnik des Chirurgen, dem Gesundheitszustand des Patienten und der regelmässigen Pfege des Implantates abhängt.
Der Preis für ein Implantat richtet sich nach dem Schwierigkeitsgrad und kann je Patientenfall sehr unterschiedlich sein. Nach genauer Untersuchung bei ihrem Zahnarzt und Implantologen wird Ihnen ein individuell erstellter Kostenplan darüber Auskunft geben. Eine Untersuchung von 350 Patienten nach Implantation zeigte, dass sich die Investition eines Implantates für alle nicht nur gelohnt hatte sondern auch, daß die meisten Patienten sie wieder tätigen würden.
Hochspezialisierte, mikrochirurgische Techniken oder zusätzliche Regenerationsverfahren bei Implantation bedeuten oft einen Mehraufwand, der in der Regel nicht vollständig von der Versicherung getragen wird. Die Kostenübernahme richtet sich nach Ihrem persönlichen Vertrag. Nach genauer Untersuchung bei ihrem Zahnarzt und Parodontologen wird Ihnen ein individueller Kostenplan erstellt, der die für Sie anfallenden Kosten präzise auflistet.
Nachdem Implantate in den Knochen eingebracht sind, sollten diese für 3 Monate ohne Belastung einheilen um eine dichte Anlagerung des Knochens an das Implantat (Osseointegration) sicher zu stellen. Das heisst, dass die Implantatschraube für diese Zeit ohne Kronenaufbau verbleibt. Die Versorgung der Lücke erfolgt durch ein Provisorium, welches vom Zahnarzt oder Implantologen so angefertigt wird, daß es nicht zu ästhetischen oder funktionellen Einbussen kommt. Nach erfolgreicher Einheilung, welche nach 3-6 Monaten vom Implantologen geprüft wird, dauert es in der Regel 1-2 Monate bis zur Eingliederung der endgültigen Krone. In den letzten zehn Jahren gibt es zahlreiche Forschungen auf dem Gebiet der Implantologie, die sich damit beschäftigen, die Einheilungszeit ohne Belastung zu verkürzen. Einige Implantathersteller haben dies bereits wissenschaftlich belegt und eine Früh- oder gar Sofortbelastung kann möglich sein. Sie richtet sich im Einzelfall nach den vorhandenen Knochenverhältnissen.
Eine Implantation wird grundsätzlich unter Lokalanästhesie durchgeführt und ist daher völlig schmerzfrei. Da im Knochen keine Nervenfasern sind, treten (bedingt durch den Zahnfleischschnitt) nur geringe Beschwerden auf, welche durch leichte Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen) gut kontrollierbar sind.
Eine Arbeitsunfähigkeit ist der Regel nicht zu erwarten. Es hat sich bewährt, chirurgische Eingriffe am Morgen durchführen zu lassen um sich idealerweise die restliche Zeit des Tages auszuruhen und das Operationsfeld von aussen zu kühlen. Dadurch wird Schwellungen vorgebeugt und Folgebeschwerden oftmals ganz vermieden.
Implantate werden gepflegt wie Zähne. Sie sollten mit einer mittleren bis weichen Zahnbürste morgens und abends mit rotierenden Bewegungen speziell den Zahnfleischsaum um das Implantat herum putzen. Ebenso dazu gehört die regelmässige Anwendung von Zahnseide oder speziellen Bürstchen, um auch die Zwischenräume adäquat zu säubern. Zusätzlich zu Ihren eigenen häuslichen Bemühungen sollten Sie regelmässig professionelle Reinigungen bei Ihrem Zahnarzt oder einem Implantologen durchführen lassen. Ein individuell auf Sie abgestimmter Zeitplan (viertel- oder halbjährlich) wird die Gesunderhaltung des Implantates ermöglichen.
Nachdem vom Implantologen geprüft ist, ob es zu einer stabilen Einheilung des Implantates gekommen ist, wird Ihr Zahnarzt das Implantat mit einer Krone versorgen. Die Zusammenarbeit von chirurgisch erfahrenem Implantologen und prothetisch, das heisst im Bezug auf Kronen und Brücken, erfahrenem Zahnarzt ermöglicht die Behandlung auf höchstem Niveau. Das Implantat funktionell und ästhetisch optimal mit einer Krone zu versorgen, hängt massgeblich vom Können des Implantologen (ideale Positionierung und Angulation des Implantates bei behutsamen Weichgewebsmanagement) und Know-how des Zahnarztes (präzise Abdrucknahme, Funktionsprüfung, Weichgewebsmodelierung und Farbgebung) ab. Im Team ist es optimal möglich, verlorengegangene Zähne so zu ersetzen, dass Sie glauben könnten, Sie hätten nie einen Zahn verloren.
 

AKTUELLES

Neuer Fortbildungsbeitrag in der DFZ 2017
» Die schwere chronische Parodontitis
Zwei Falldarstellungen mit unterschiedlichen Therapiekonzepten

Mehr dazu auch auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie am Freitag, den 22.9.17 in Dresden.
Dr. med. dent. Margret Bäumer, M.S.D. (USA)
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